"Die Air Berlin Verschwörung"

„Wie der Fortgang der Air Berlin Insolvenz aussehen kann“ - Eine Prognose

Bild: alamy.com
Bild: alamy.com

Obwohl es sich seit vielen Jahren abgezeichnet hat, war es für viele doch ein Schock als Air Berlin letzte Woche Insolvenz angemeldet hat.

Zurzeit gibt es täglich neue Spekulationen und Gerüchte, was mit Air Berlin passieren könnte. Neben Lufthansa und Easyjet hat jetzt auch der bekannte Luftfahrtunternehmer Wöhrl und Condor Interesse an der Air Berlin bekundet.

 

Wer unseren Artikel „Der Air Berlin Deal“ im Mai gelesen hat, weiß bereits, dass Anfang des Jahres die Air Berlin Aeronautics GmbH neu in Berlin gegründet worden ist. Diese wartet aktuell noch auf ihr so genanntes AOC (Air Operator Certificate = Flugbetriebserlaubnis) vom LBA. Es wurde spekuliert, dass dieser Ableger von Air Berlin die 38 Flugzeuge, die an Eurowings verleased worden sind, übernehmen soll.

 

Aufgrund dessen, dass jetzt Etihad kurzfristig die nächste Tranche nicht bezahlt hat, mussten Lufthansa und die Bundesregierung schnell reagieren, damit Air Berlin auf einen Schlag nicht komplett zahlungsunfähig geworden wäre.

Die Information über den 150 Millionen Überbrückungskredit wurde sehr schnell nach Bekanntwerden des Insolvenzantrages öffentlich.

Hierbei kann dieser Betrag nicht so kurzfristig beschlossen worden sein, sodass anzunehmen ist, dass der Plan - auch bei Lufthansa - sich schon länger in der Schublade befand.

Bis November soll dabei der Betrag reichen, was schwer vorzustellen ist, wenn man einen Blick auf folgende Zahlen wirft:

 

In den ersten drei Monaten dieses Jahres hat Air Berlin 293 Mio. € Verlust bei einem Umsatz von ca. 650 Mio. € eingefahren oder mit anderen Worten 3,2 Mio. € Verlust am Tag. Die Zahlen für das zweite Quartal werden bislang unter Verschluss gehalten. Aber auch hierfür wird der Verlust im Vergleich zu 2016 (-89,1 Mio. €) höchstwahrscheinlich in 2017 weiter zugenommen haben.

Es ist davon auszugehen, dass die Buchungen seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens die Zahl an neuen Buchungen extrem gesunken ist. Das führt dazu, dass die erwarteten Einnahmen ausbleiben und dementsprechend der Kredit schneller aufgebraucht wird. So wäre es nicht weiter verwunderlich, wenn bereits einen Monat vorher der Kredit aufgebraucht wäre.

 

 

Nachdem Ende April Angela Merkel u.a. zusammen mit Carsten Spohr nach Abu Dhabi gereist ist, konnte man nur vermuten, was hinter den verschlossenen Türen des Palastes vom Scheich besprochen worden ist. Der Lufthansa Chef betonte daraufhin sein Interesse an der Air Berlin, aber nur, wenn diese frei von Ihren Schulden wäre. Gleichzeitig gab es eine weitere Annäherung zwischen Etihad und Lufthansa in Form von Codeshare Flügen.

 

Und jetzt nach dem bekannt werden der Insolvenz wurden zusätzliche Codeshare Flüge zwischen den beiden Fluggesellschaften bekannt gegeben. Das wirkt so, als ob die die Lufthansa im Gegenzug zu der geplanten Air Berlin Übernahme, Etihad gewisse Zugeständnisse gemacht hat. Sämtliche Aussagen aus der Politik deuten ebenfalls daraufhin, dass Lufthansa sich an Air Berlin "bedienen" darf und man ihr keine Steine in den Weg legen wird. Auch der Geschäftsführer von Air Berlin wird damit kein Problem haben, da er von der Lufthansa kommt.

 

Die Flottenübersicht über die 144 Air Berlin Flugzeuge

 

  • 20x Q400-8 (Ex-LGW)
  • 14x B737 (Tuifly)
  • 21x A321 (Niki)
  • 38x A320 (aktuell im Auftrag von Eurowings und Austrian)
  • 34x A319 & A320 (AirBerlin)
  • 17x A330 (AirBerlin)

 

Die Zukunft der Q400-8

 

Obwohl die LGW erst kürzlich von der Air Berlin aufgekauft worden ist, ist das Interesse auf eine weitere Übernahme der Flugzeuge von einem der genannten Interessenten eher gering. Das liegt vor allen an der Flottenkonformität.

 

Die Zukunft der B737 Flugzeuge von Tuifly

 

Hier ist es relativ klar, dass die Flugzeuge inkl. Crew zu Tuifly zurückgehen werden, da sie von Tuifly an Air Berlin bis 2019 verliehen waren. Dies wird zur Folge haben, dass es bei Tui erstmal Überkapazitäten über den Winter geben wird. Es bleibt zu hoffen, dass Tui in der Lage sein wird diese im gesamten Konzern zu verteilen.

 

Die Zukunft der A321 Flugzeuge von Niki

 

Laut verschiedenen Quellen hat Lufthansa Interesse daran Niki mit ihren 21 A321 zu erwerben. Niki passt perfekt in die Eurowingsgruppe unter anderem, weil sie an denselben Basen, wie die Eurowings, operiert und von den Personalkosten sich auf einem ähnlichen Level befindet.

 

 

Die Zukunft der A320 Flugzeuge von Air Berlin, die für EW operieren

 

Diese passen perfekt zu der Eurowings Flotte. Man könnte vermuten, dass diese in die Eurowings GmbH oder Eurowings Europe integriert werden. Allerdings fordert die Eurowings Europe den kompletten DLR Test von ihren Piloten plus die Diskrepanz zwischen den Jobkonditionen sind extrem plus die Stationen befinden sich im Ausland. Daher liegt es Nahe, dass man versuchen wird alle Flugzeuge bei Eurowings Europe unterzubringen, weil der Standort derselbe ist und beide Airlines auf einem ähnlicheren Lohnniveau operieren.

 

 

Die Zukunft der A319 & A320 Flugzeuge, die für Air Berlin operieren

 

Immer wieder wird Easyjet als weiterer Interessent genannt. Diese hat kürzlich ein österreichisches AOC erhalten. Easyjet könnte bei den geplannten Wachstumsplänen diese Flugzeuge ohne weiteres in ihre bestehende Flotte aufnehmen. Gleichzeitig wäre es eine passende Maßnahme für den bevorstehenden Brexit. Inzwischen hat auch Condor sein Interesse bekundet. So würden der Airbus A320 auch perfekt zu Condor passen. 

 

 

Die Zukunft der 17 A330 Flugzeuge von Air Berlin

 

Hier ist davon auszugehen, dass die Langstreckenflotte zu einem oder mehreren Flugbetrieben übergeht. Hierfür kommen nur Vier nicht-KTV Flugbetriebe der Lufthansa in Frage:

 

  • Lufthansa Cityline (6x A340)
  • Brussels Airlines (8x A330)
  • Edelweiss Air (2x A340, 2x A330)
  • Sunexpress Deutschland (6x A330)

Insgesamt hat die Air Berlin somit mehr A330 als alle oben genannten Betriebe zusammen. Das macht es zusätzlich neben der wenigen Zeit schwierig die Flugzeuge passend zu verteilen.

 

Gegen Lufthansa Cityline spricht, dass sie keinen A330 operieren und entsprechende ETOPS Berechtigung nicht haben. Und gleichzeitig wurde bei der Tarifeinigung zwischen den LH Piloten und dem Vorstand vereinbart, dass das JUMP Projekt beendet wird und alle A340 zur Lufthansa Passage zurückgehen.

Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass die Lufthansa Cityline nicht genug A330 Trainer in ihren Reihen hat, um entsprechend schnelle Einflottung gewährleisten zu können.

 

Brussels Airlines wurde erst neulich von Lufthansa aufgekauft. Die Integration in Eurowings hat gerade erst begonnen und soll noch bis zu 2 Jahre dauern.

 

Bei Sunexpress Deutschland werden zwar aktuell 6 von geplanten 7 A330 für EW betrieben, was auf den ersten Blick nach einer guten Ausgangslage für die Übernahme der Air Berlin Langstrecke aussehen könnte.

Allerdings kursiert schon länger das Gerücht rum, dass Turkish Airlines sich bei der Anzahl an Langstreckenflugzeugen für Sunexpress Deutschland mit Lufthansa auf insgesamt 7 verständigt hat. Aufgrund dessen, dass Turkish Airlines genauso wie Lufthansa 50% an Sunexpress hält, macht sie entsprechend hier ihren Einfluss geltend.

 

Edelweiss ist mit der Einflottung der A340 Flugzeuge von Swiss sehr beschäftigt. Außerdem hält sie ein schweizerisches AOC, wodurch es nicht möglich wäre, Flüge aus Deutschland in Drittländer zu betreiben. 

 

 

Fazit

 

Zweifelsohne wird der Kredit der Bundesrepublik nicht bis November reichen, daher muss eine schnelle Lösung für alle Beteiligten her. Leider zeichnet sich bereits ab, was mit den Jobs passiert. Eurowings Deutschland hat heute bereits neue Positionen für First Officer mit 100 Std auf dem A320 bzw. Direct Entry Kapitänsstellen ausgeschrieben. Obwohl die Konditionen deutlich besser sind als die von Eurowings Europe liegen sie deutlich unter den Air Berlin Konditionen. Es bleibt jedenfalls spannend, wie viele Piloten sich auf ein solches Angebot einlassen werden.

Zum Glück ist die Nachfrage nach erfahrenen Piloten derzeit sehr hoch, sodass keiner der Piloten sich Sorgen machen muss ohne Job zu bleiben.

Kunden, die den Artikel gelesen haben, lesen auch:

Wenn Dir der Artikel gefallen hat und Du mehr Insiderinfos oder Sonderangebote zu unseren Produkten erhalten willst, dann melde Dich jetzt für unseren Newsletter an.

Melde dich für unseren Newsletter jetzt an und erhalte Insiderinfos und exklusive Sonderangebote:

* indicates required

Kommentar schreiben

Kommentare: 0