Das Ende des Pilotenmangels

 

Es herrscht Pilotenmangel und die Zukunftsaussichten sind sehr gut“ – hört man von Flugschulen, Airlines und Flugzeugherstellern immer wieder.

 

Seit ca. drei Jahren hält bereits die starke Nachfrage nach Piloten an. In den 6 Jahren davor, waren eher zu viele Piloten auf dem deutschsprachigen Markt, sodass Geschäftsmodelle wie Pay2fly entstehen konnten. Endlich haben Flugschüler nach der Ausbildung mehr als ein bis zwei Chancen auf einen Pilotenjob im Cockpit. Dieser Mangel an Piloten hat dazu geführt, dass jene Airlines die Piloten verhältnismäßig geringe Löhne gezahlt haben ein Rekrutierungsproblem bekommen haben. 

 

Durch das publik werden der hohen Arbeitslosigkeit unter den Flugschulabsolventen wurde der Job für immer mehr junge flugaffine Menschen uninteressant. Dies sorgte dafür, dass kaum noch neue Flugschüler nachkamen. Warum auch? Der Personalmarkt war mehr als gesättigt. 

Als die Nachfrage nach Piloten endlich 2016 deutlich anstieg waren die Flugschulen, Airlines und Flugzeughersteller die Ersten, die den Pilotenmangel laut verkündet haben und so wieder hunderte junge Menschen zur Pilotenausbildung schmackhaft gemacht haben. Ungeachtet dessen, dass noch über 1000 Piloten arbeitsuchend im deutschsprachigen Raum waren. Allerdings, verfolgt jeder dieser Teilnehmer hierbei sein eigenes Interesse. Schauen wir uns diese mal näher an:

 

Übersicht über ATPL, MPL und CPL Inhaber in Deutschland - Zahlenquelle: LBA, 2019
Übersicht über ATPL, MPL und CPL Inhaber in Deutschland - Zahlenquelle: LBA, 2019

 

Flugschulen: Hier ist es offensichtlich, dass diese ein starkes Interesse daran haben möglichst viele Menschen zu Piloten auszubilden, da diese hauptsächlich davon leben. Auch, wenn es hier Eingangstests gibt, sind die meisten von den privaten Flugschulen eher einfach machbar.

 

Airlines: Auch die Airlines haben ein großes Interesse daran, dass möglichst viele junge Menschen die Pilotenausbildung absolvieren. Zum einen können sie sich so die Besten herauspicken und zwar aus einem größeren Pool an Piloten, zum anderen steigen die Pilotengehälter nicht bzw. nicht so stark. Denn ähnlich wie man es von anderen Bereichen oder Produkten kennt, gelten ihr dieselben ökonomischen Regeln von Angebot und Nachfrage. Je höher die Nachfrage nach Piloten und je geringer das Angebot an Piloten, umso gefragter werden die Piloten. Das führt zu höheren Gehältern. Aufgrund dessen, dass der finanzielle Schaden für eine Airline bei einer nicht Bereederung, wesentlich höher ist als durch höhere Gehaltserhöhung, mussten manche Airlines in den letzten Jahren ihre Gehaltsstrukturen anpassen. Ein Ausweg, um diese dauerhaften Gehaltserhöhungen zu vermeiden, sind einmalige Boni – teilweise in fünfstelliger Höhe, welche ausgezahlt werden, wenn Piloten bei einer bestimmten Airline anfangen und eine gewisse Mindestdauer bleiben. Das ist auch langfristig die günstigere Option für Airlines.

 

Flugzeughersteller: Die Studien von Boeing und Airbus werden sehr gerne als Referenz von Flugschulen als auch von Airlines genommen. Die beiden größten Flugzeughersteller der Welt müssen es schließlich wissen, da diese hochkomplexe Analysen darüber durchführen, wo überall auf der Welt in den nächsten 10-20 Jahren Flugzeuge verkauft werden. Dabei darf man jedoch eine Sache nicht vergessen:

Auch die Flugzeughersteller haben ein Interesse daran, dass es genug Piloten auf dem Markt gibt, die die Flugzeuge bewegen. Denn nur, wenn genug Piloten für die Airlines zur Verfügung stehen, werden diese auch mehr Flugzeuge bestellen. Schließlich bringt es nichts, wenn Flugzeuge verfügbar sind, aber keine Piloten.

A-registrierte Flugzeuge in Deutschland 2000 - 2018 - Zahlenquelle: Luftfahrt-Bundesamt, 2019
A-registrierte Flugzeuge in Deutschland 2000 - 2018 - Zahlenquelle: Luftfahrt-Bundesamt, 2019

Es ist bekannt, dass die Zyklen zwischen Angebot und Nachfrage nach Piloten sich in unregelmäßigen Abständen wiederholen. Aktuell sieht es so aus, als könnte es mit der starken Nachfrage nach Piloten im deutschsprachigen Raum bergab gehen. Das liegt an vorallem drei wesentlichen Faktoren:

 

1. Airline Pleiten in den letzten drei Jahren: Mit Airberlin, Niki, Belair, Small Planet, Azur Air, Privat Air und Germania sind ein gutes halbes Dutzend Airlines aus dem deutschsprachigen Raum Pleite gegangen. Hierdurch sind über 1000 erfahrene Piloten in den deutschsprachigen Raum arbeitssuchend geworden.

Diese fliegen inzwischen größtenteils bei Eurowings, Brussels Airlines, Sunexpress, Cargolux, Easyjet, Condor, Ryanair und Aerologic.

 

2. Ab initio Ausbildungen:

452 Flugschüler und Flugschülerinnen haben im Jahr 2018 mit der Pilotenausbildung begonnen. Die Lufthansa Aviation Training, wozu auch die European Flight Academy gehört, spricht von bis zu 650 Flugschülern in den nächsten zwei bis drei Jahren. Was man im ersten Moment positiv wahrnimmt, dürfte dafür sorgen, dass sich die Konditionen in absehbarer Zeit nicht allzu sehr verbessern.

 

3. Die globale Wirtschaft wächst langsamer. Das sorgt dafür, dass allgemein weniger geflogen wird sowohl bei Waren als auch bei Passagieren. Ein guter Trendindikator ist hier die Entwicklung des Frachtsektors. Die International Air Transport Association – kurz IATA – analysiert regelmäßig die Entwicklung des Luftfahrtsektors. Diese sieht derzeit eine Abnahme der beförderten Frachtmenge, welche der Abnahme der Passagiere vorausgeht. Eine Abnahme der Passagiere bzw. Fracht bedeutet nichts anderes, dass weniger Flugzeuge bzw. Frequenzen gebraucht werden und somit auch weniger Piloten.

 

Wie man anhand der Daten vom Luftfahrt Bundesamt bezüglich der A-registrierten Flugzeuge erkennen kann, stagniert deren Anzahl seit ungefähr 10 Jahren. Das kann zu einem daran liegen, dass immer mehr Reisende mit Airlines fliegen deren Flugzeuge im Ausland registriert sind und zum anderen daran, dass die Airlines immer größere Flugzeuge einsetzen. Beispielsweise setzen immer mehr Airlines auch gerne den A321 ein statt den A319 oder A320. So können die Airlines mit der gleichen Anzahl an Piloten mehr Passagiere befördern und erzielen somit geringere Sitzplatzkosten. 

Entwicklung der ATPL, MPL und CPL Lizenzinhaber seit 2000 - Quelle: Luftfahrt-Bundesamt, 2019
Entwicklung der ATPL, MPL und CPL Lizenzinhaber seit 2000 - Quelle: Luftfahrt-Bundesamt, 2019

 

Empfehlung des Autors

 

Für Ab-initios:

All denjenigen, die noch die Flugschule vor sich haben, empfehle ich sich auf ein Ausbildungsprogramm zu bewerben bei der die Jobaussichten groß sind. Das gilt für die Ausbildungen bei der EFA, Austrian, Swiss aber auch Aerologic, Condor und andere Programme im Ausland. Bevor man die private Ausbildung an einer Schule ohne direkter Kooperation mit einer Airline beginnt, würde ich jedem dazu raten bei einem der oben erwähnten Programme unterzukommen. Ansonsten wird es spätestens nach eurer Ausbildung wahrscheinlich schwierig einen Job zu finden bzw. wird dieser euch nicht genug Geld einbringen um eure Schulden und Lebenskosten begleichen zu können. 

 

Für aktuelle Flugschüler:

All jenen, die gerade in der Ausbildung sind, ist zu empfehlen, dass diese bei der Jobauswahl nicht zu lange auf den perfekten Job warten. Solange ein Arbeitgeber (noch) das Type-Rating bezahlt, ist das eine ideale Möglichkeit, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Es wird nicht allzu lange dauern bis weniger Arbeitgeber das Type-Rating zahlen werden.

 

Für fertige Flugschüler:

Auch, wenn es inzwischen weniger Angebote gibt als noch vor einem Jahr, gibt es immer noch genug Möglichkeiten von der Flugschule direkt auf einen Jet zu wechseln. Deshalb sollten alle Schüler versuchen idealerweise auf einem Flugzeugmuster wie dem A320 oder B737 ihre Karriere zu beginnen. Sobald ein Pilot auf einem dieser beiden Flugzeugmuster 1500 Flugstunden gesammelt hat und den ATPL in der Lizenz stehen hat, steht ihm die Welt offen, wenn er/sie das möchte.

 

Schlusswort

Auch wenn der Bedarf an neuen Piloten für die nächsten Jahre sinken sollte, ist eine so starke Abnahme wie vor sechs bis acht Jahren nicht zu erwarten. Daher sind die langfristigen Jobaussichten immer noch gut. Allerdings muss man flexibel sein was den Ort und die Konditionen angeht, wenn man nicht bei einem Legacy carrier unterkommt.

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Kommentare: 2
  • #1

    KURFÜRST EWALD (Montag, 08 Juli 2019 13:39)

    Unser Sohn besucht zurzeit die Flugtechnikschule in Langenlebarn in Österreich. Es handelt sich dabei um eine 4 jährige Bundesfachschule , welche vom Bund in Zusammenarbeit mit Austrian Airlines geführt wird.
    Angeblich ist dies die einzige ihrer Art im deutsprachigen Raum. Meine Frage lautet: "Ist es nach dieser Ausbildung möglich an einem Eignungstest bei einer Airline teilzunehmen ja oder nein."
    Das es bei den privaten Schulen möglich ist wissen wir nun definitiv. Im anderen Fall hört man immer wieder unterschiedliche Aussagen.
    Weiters habe ich vor geraumer Zeit im Internet gelesen, dass in den nächsten 15-20 Jahren weltweit 500.000 Piloten benötigt werden. Was ist nun wahr. Die Stagnation- wenn auch nicht rasant- oder der Bedarf. Ist es doch eine wichtige Entscheidung die da zu treffen ist und im Falle der privaten Schule auch eine finanzielle Frage. Danke für die Klarstellung der vorangeführten Fragen. Ewald Kurfürst

  • #2

    AET (Montag, 08 Juli 2019 14:03)

    Hallo Herr Kurfürst,
    das sind gerne genommene Zahlen, die auf verschiedene Annahmen basieren.
    Allerdings gilt zu beachten, dass der größte Teil des Bedarfs in Asien und den USA herrschen wird.
    Darüber hinaus ist der Bedarf nicht linear ansteigend, sondern verläuft in Kurven auf und ab. Die letzten 2-3 Jahre ging es stark aufwärts und unserer Meinung dreht sich der Trend gerade wieder um.
    Falls Ihr Sohn Verkehrspilot werden will, dann würde wir empfehlen zuerst eine vollfinanzierte Pilotenausbildung oder eine Ausbildung mit Jobgarantie zu wählen. Diese wird im deutschsprachigen Raum angeboten von Austrian Airlines, Swiss, Lufthansa, Eurowings und Luxair momentan. Auf den jeweiligen Internetseiten finden Sie die Voraussetzungen.
    Erst danach, würde ich mir die privaten Flugschulen angucken. Bei denen kann man immer die Ausbildung machen, schließlich leben diese von den Kunden. Diese zitieren deshalb auch gerne den Pilotenbedarf.