Die Corona Krise und seine katastrophalen Folgen für die Luftfahrt – Eine Analyse & Prognose Teil 1

Jeden Tag erreichen uns aktuell neue schlechte Nachrichten über die Coronakrise. Durch die Angst vor dem Corona-Virus ist zu Beginn die Nachfrage nach Passagierflügen weltweit so rapide eingebrochen wie niezuvor in der Luftfahrtgeschichte. Kurz darauf folgten die Flugverbote für einzelne Länder, welche den Passagierflugverkehr so langsam komplett zum Stillstand bringen.

Keine Fluggesellschaft ist auf einen solchen Einbruch der Passagierzahlen vorbereitet gewesen. Dementsprechend sind die Aktienkurse aller Airlines und Tourismusfirmen extrem gefallen. Allerdings ist der Kursverfall zwischen den Airlines unterschiedlich ausgeprägt. 

Da der Börsenwert die Erwartungen der Analysten bezüglich der Performance eines Unternehmens wiederspiegelt, werfen wir einen Blick auf die entsprechenden Faktoren:

 

Quelle: IATA, 2018
Quelle: IATA, 2018

Faktor Fixkosten

Die beiden größten Fixkosten sind ohne Zweifel die Personalkosten und die Flugzeugfinanzierungskosten, wie man anhand des Kreisdiagramm der IATA sehen kann. Airlines haben die Möglichkeit entweder Flugzeuge zu kaufen, indem diese finanziert werden oder zu leasen. Hierbei ist abhängig von der Strategie und Liquidität, wofür sich eine Airline entscheidet.

 

In Zeiten in denen die Nachfrage stark sinkt, ist es für manche Airlines finanziell sinnvoller, Flüge abzusagen als sie durchzuführen. Entscheidend hierfür sind die Fixkosten plus variablen Kosten in Relation zu verkauften Tickets, die eine Airline hat. 

Bei den Fixkosten spielen Flugzeugfinanzierungskosten eine Rolle und ob sich ein Flugzeug im Eigenbesitz befindet oder geleased ist. Wenn sich die Flugzeuge im Eigenbesitz befinden und abgeschrieben sind, dann könnte es sich für eine Airline rentieren auch mit weniger Passagieren einen Flug durchzuführen. Bzw. sie kann es sich länger erlauben seine Flugzeuge zu grounden ohne in existentielle Bedrohung zu geraten. Dasselbe gilt, wenn die Kosten für Flugpersonal Flugstunden basiert vergütet werden. Das bedeutet, dass Flugpersonal nur bezahlt wird, wenn es fliegt. Dieses Vergütungsmodell ist bei Low-Cost Airlines durchaus üblich. 

Quelle: Leehamnews.com, 2020
Quelle: Leehamnews.com, 2020

Um die Fähigkeit einer Airline einen solchen Nachfrage Schock zu verkraften besser auswerten zu können, hilft es einen Blick darauf zu werfen wer die Flugzeuge der verschiedenen Airlines jeweils besitzt.

Lufthansa, Ryanair, Easyjet, Jet2 und Icelandair gehören über 70% ihrer Flugzeugflotte. Wohingegen Wizzair, Tui, Air Europa, Tap und Aegean weniger als 20% ihrer Flugzeuge besitzen.

Die zuerst genannten Airlines weisen dadurch eine sehr starke Bilanzaufstellung im Vergleich zu den letztgenannten auf sowie gute finanzielle Reserven und eine hohe Kreditwürdigkeit. Jetzt sind sie dadurch sind sie krisenfester, weil sie keine monatlichen Leasingraten für ihre Flugzeuge bezahlen müssen. Denn auch in Krisenzeiten fordern Leasing Firmen ihre Leasingrate ein mit welcher sie wiederum ihre Flugzeuge bei der Bank finanzieren.

 

Ryanair, Lufthansa und Easyjet haben momentan die beste Position, weil die wenigsten Flugzeuge ihrer Flotte geleased sind. Sie können es sich erlauben Flugzeuge zu grounden ohne eine Leasingrate zu zahlen. Diesen Luxus haben allerdings die wenigsten Airlines wie in der Tabelle ersichtlich ist.

 

Aufgrund der schwachen Profitabilität, des intensiven Wettbewerbes und des politischen Druckes in Europa ist es in den letzten Jahren für Airlines generell immer schwerer geworden zu existieren.

Durch den Coronavirus wird die Situation der meisten Airlines drastisch verschärft. Die Konsolidierung dürfte hierdurch zweifelsohne beschleunigt werden, wobei sich Airlines mit Übernahmen zurückhalten werden, solange ein Ende der Pandemie nicht in Sicht ist.

 

Airlines haben in der Regel die Möglichkeit sich mit Leasingfirmen auf eine Aussetzung bzw. Reduzierung der monatlichen Leasingrate zu verständigen. Schließlich ist es auch im Interesse der Leasinggesellschaft, dass eine Airline überlebt und ihre Raten langfristig zahlen kann, insbesondere in Zeiten in denen es weltweit schwierig ist Flugzeuge zu vermarkten. Des Weiteren haben die Leasingfirmen Verpflichtungen gegenüber den Banken die entsprechenden Raten zu bedienen. So besteht die Gefahr eines Schneeballeffektes, wenn mehrere Airlines Pleite gehen und die Leasingfirmen wiederum ihre Raten bei den Banken nicht bedienen können. Dies könnte eine noch weiterreichende Bankenkrise zur Folge haben.

 

Quelle: IATA, 2020
Quelle: IATA, 2020

Faktor Steuern

Ab April gilt eine höhere Luftverkehrssteuer für alle Flüge die in Deutschland starten. Diese wird alle deutschen Fluggesellschaften zusätzlich belasten. Auch wenn Stimmen laut wurden, die die Verschiebung der Steuererhöhung gefordert haben, dürfte sich dies wohl kaum auf das Reiseverhalten der momentan fliegenden Passagiere auswirken.

 

Faktor Ölpreis

Die weltweite Nachfrage nach Rohöl ist seit Anfang 2020 extrem eingebrochen während das Angebot gestiegen ist. Das hatte die kürzlichen Preissturz zur Folge.

 

Der Sturz des Ölpreises wird die Airlines, die bei große Teilen ihres Kerosins Fuelhedging betreiben negativ treffen, denn sie zahlen einen deutlich höheren Preis als der aktuelle Marktpreis beträgt. Davon profitieren jetzt alle Airlines, die weniger bzw. gar kein Fuel Hedging betreiben. Hierdurch sinken die variablen Kosten pro Flug, wodurch ein Wegfall der Nachfrage wenigstens zu einem gewissen Maß aufgefangen werden könnte.

 

Faktor Fluggastrechte

Bekannterweise stehen europäischen Passagieren mit einem Flugticket bei Stornierungen eine bestimmte Entschädigung zu. Ob diese Entschädigungszahlung auch jetzt gezahlt werden muss, wird das Gericht noch einige Zeit beschäftigen. 

 

Slots

Erfreulicherweise wurde jüngst von der europäischen Kommission angekündigt die geltenden Slotregeln außer Kraft zu setzen. Dadurch sollen demnächst alle Airlines entlastet werden, die sogenannte „Geisterflüge“ durchführen mussten. Bisher mussten Airlines 80% ihrer Flüge durchführen um ihre Slots zu behalten. Das führte dazu, dass momentan viele Airlines unwirtschaftliche Flüge durchführen müssen.

 

 

 

Quelle: IATA, 2020
Quelle: IATA, 2020

Faktor Einreiseverbote

Nachdem ein Einreiseverbot für Europäer seitens der USA verhängt wurde, kann man davon ausgehen, dass noch mehr Länder diesem Beispiel folgen werden, höchstwahrscheinlich solange bis alle Länder Europas voneinander isoliert sind.

Darüber hinaus drohen innerhalb von Europa weitere Länder isoliert zu werden, wenn die Infektionen weiter zunehmen – ähnlich wie jetzt in Italien.

Da der Verlauf von Corona exponentiell verläuft, verändert sich die Entwicklung jetzt von Tag zu Tag rasanter. Es könnte sein, dass auch einzelne Bundesländer bis hin zu Städten isoliert werden müssen und entsprechend auch der inländische Flugverkehr eingestellt wird.

Lösung Staatshilfe

Es stellt sich nicht die Frage, ob der Staat den Airlines unter die Arme greift, sondern ab wann er dies tun wird. Allerdings wird der Staat nicht allen Airlines helfen können, da fast alle Wirtschaftszweige von der Corona Krise betroffen sind. Es ist daher davon auszugehen, dass die Staaten versuchen werden die großen (ehemaligen National-) Airlines soweit wie möglich zu unterstützen. 

 

Fazit und Prognose

Ich muss zugeben, dass ich den Corona Virus noch vor 10 Tagen selbst nicht allzu ernst genommen habe und mir der eigentlichen Gefahr und vor allem der weitreichenden Folgen nicht bewusst war. Der Artikel „Coronavirus – Why you must act now“ von Tomas Pueyo, welcher über 18 Millionen mal gelesen wurde und regelmäßig aktualisiert wird, hat meine Meinung um 180 Grad geändert.

 

Für alle Airlines, die in den letzten Jahren bereits als bedroht galten, ist es jetzt nur noch eine Frage von Tagen oder Wochen bis ihnen das Geld ausgeht. 

Auf externe Hilfe können sie momentan nicht hoffen, denn sämtliche Airlines und andere Investoren halten jetzt ihr Geld zusammen solange ein Ende der Pandemie nicht in Sicht ist. Genauso wenig wird der Staat den meisten Airlines unter die Arme greifen (können). Lediglich die ehemaligen Staatsairlines werden im schlimmsten Fall wahrscheinlich teilverstaatlicht werden. Aber erst, wenn diese sich über vorhandene Vermögenswerte z.B. Flugzeuge im Eigenbesitz oder andere Reserven nicht länger Luft verschaffen können.

Je nachdem wie lange die Krise und die sukzessive Isolierung sich zuspitzt und verschärft, werden auch die entsprechenden Auswirkungen auf die Luftfahrt extremer und langfristiger ausfallen. Je länger die Krise andauert, umso weniger Airlines werden überleben und umso mehr Arbeitslose wird es geben. Dies wird dann wiederum schnell auf Leasingfirmen, Hersteller, Zulieferer, Technikbetriebe, Flughäfen, Trainingseinrichtungen und letztendlich auf die Banken weltweit überschwappen. Es drohen zahlreiche Insolvenzen und Arbeitsplatzverluste in der Luftfahrt. Selbst für Boeing birgt die Corona Krise vor dem Hintergrund des B737MAX Fiaskos eine ernstzunehmende Gefahr.

Es ist bereits jetzt ein Ausmaß erreicht, dass die Luftfahrt und die Weltwirtschaft mit Sicherheit über das Jahr 2020 langfristig beeinträchtigen wird - selbst wenn bis zum Sommer eine Ausbreitung verhindert und ein Impfstoff gefunden sein sollte. Denn auch dann wird es mehrere Jahre dauern bis die wirtschaftlichen Schäden der Corona Krise überwunden sind. 

 

Licht gibt es momentan bei der Luftfracht. Das liegt daran, dass sehr viel Belly-Cargo, welches normalerweise im Frachtraum von Passagierflugzeugen befördert wird, nicht befördert werden kann. Hierdurch ist das Angebot stärker gesunken als die Nachfrage, da in China auch die Produktionen wieder hochgefahren wurden. Ebenfalls sind seit der Krise auch die Zahlen der Geschäftsflüge stark angestiegen, welches mit der Angst der Menschen vor einer Ansteckung begründet werden kann. Beides wird sich wieder normalisieren, sobald der Virus unter Kontrolle ist.

 

Man kann nur hoffen, dass wir die Ausbreitung des Virus so schnell es geht in den Griff bekommen, wie China, Taiwan und Singapur es vorgemacht haben. Ansonsten sieht die Zukunft für Europa und die USA sehr schlecht aus.

 

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